[Grenzen]los - Portrait der ersten europäischen Generation

Oktober 2011

GRENZEN ÜBERTRETEN. Diese Aufforderung auf einer konstruierten Wand aus Absperrband stellte sich an einem Samstag im Oktober 2011 Passanden in der Dresdner Schlossstraße entgegen. Nur wenige Meter weiter war eben jener Aufruf auch auf der Treppe der Brühlschen Terrasse zu entdecken und zeitgleich wurde der Vorhang vor dem Dresdner Schauspielhaus mit Luftballons und Luftschlangen bejubelt. Die Akteure: Jugendliche zwischen 20 und 27 Jahren.

Die Aktionen, die das Publikum direkt einbezogen, wurden im Rahmen des Austauschprojekts „[Grenzen]los - Portrait der ersten europäischen Generation“ realisiert, das in Dresden (riesa efau. Kultur Forum Dresden) und Klaipeda (Klaipeda Culture Communication Center) umgesetzt wurde. Die zwanzig teilnehmenden Jugendlichen aus Deutschland und Litauen hinterfragten dabei die [un]begrenzte Situation im heutigen Europa und bezogen dabei zeitgeschichtliche Berichte ein.

Im Oktober 2011 sind bereits mehr als zwanzig Jahre seit den prägenden Ereignissen der Wende in Deutschland  und der „singenden Revolution“ in Litauen vergangen. Heute sind beide Länder im Schengener Raum vereint und die „Kinder der Revoultion“ bereits junge Erwachsene. Das Projekt [Grenzen]los - Portrait der ersten europäischen Generation thematisierte Resultate der Revolutionen von 1989 (Deutschland) und 1990/91 (Litauen) und hinterfragte, ob  trotz der Verbindung in einem vereinten Europa immernoch Grenzen bestehen. Dabei sollte eben jene Generation zu Wort kommen, die nach der „Wende“ aufwuchs.

Auf künstlerische Weise wurde das Thema in den drei Installationen im Dresdner Stadtraum sowie bei einer Aktion am Ostseestrand in der Nähe von Klaipeda umgesetzt. Dabei wurden jeweils künstliche Grenzen mit Absperrband errichtet. Dem Rot-Weiß kam dabei Signal- wie auch symbolische Bedeutung zu, sind doch die Übergänge von Ländergrenzen oft durch rot-weiße Schlagbäume markiert. Der Errichtung der Grenzen folgte die Einladung diese zu überschreiten und schließlich die Überwindung der Grenzen zu zelebrieren. Die neugewonne Freiheit lässt Raum für neue Werte entstehen, die gleichfalls Basis für einen generationsübergreifenden Dialog bilden. Durch die künstlerische Thematisierung wird deutlich, dass die Revolutionen von vor zwanzig Jahren mehr als nur ein historisches Datum sind und das Leben der heutigen Jugend immer noch beeinflussen.

Den Installationen vorausgehend  fanden sowohl in Dresden als auch in Klaipeda Gespräche mit Zeitzeugen statt, wurden Orte besucht, die mit den Revolutionen in Verbindung standen und ein thematisch passender Filmabend veranstaltet. Dadurch lernten die litauischen und deutschen Teilnehmer Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Länder kennen und sind selbst Beweis für eine funktionierende länderübergreifende Teamarbeit geworden.  

Das Aktivwerden für mehr Mitbestimmung, Freiheit und Gerechtigkeit verschiedener Generationen ist heute noch allgegenwärtig und zeigt sich in der Occupy-Bewegung ebenso wie in den Protesten des arabischen Frühlings.

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Union durch das Programm JUGEND IN AKTION finanziert. Der Inhalt dieses Projektes gibt nicht notwendigerweise den Standpunkt der Europäischen Union oder der Nationalagentur JUGEND für Europa wieder und sie übernehmen dafür keine Haftung.