Kultur Stadt Dresden: Bleiben oder Gehen? Dresden als Heimat Freier Szenen
im Kulturzentrum Scheune, Alaunstr. 36-40, 01099 Dresden

Mittwoch, 07.11.2018, 19:00 – 22:00 Uhr

das Thema HEIMAT wird momentan auch in Dresdner Kulturinstitutionen intensiv diskutiert. Nach dem entsprechenden Workshop lädt das Netzwerk Kultur Dresden in Partnerschaft mit dem Kulturhauptstadtbüro der Landeshauptstadt Dresden und der Sächsischen Akademie der Künste nun zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung ein.
Was hat Dresden in den vergangenen Jahren erreicht, was bleibt zu tun, damit die Stadt Heimat für aktive, kreative und bedeutsame Freie Szenen in den unterschiedlichen kulturellen und künstlerischen Genres bleiben oder werden kann.
Die Gesprächsrunde am 07. November 2018 von 19:00 bis 22:00 Uhr im Kulturzentrum Scheune, Alaunstr. 36-40, 01099 Dresden steht unter dem Motto:

Kultur Stadt Dresden: Bleiben oder Gehen? Dresden als Heimat Freier Szenen

Das beigefügte Konzeptpapier soll Ausgangspunkt für die Diskussion sein, soll zu Vorschlägen, zu Widerspruch, zu konstruktiven Entwicklungen einladen.
Auf dem Weg zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 freuen wir uns über einen nachhaltigen Erfahrungsaustausch und eine spannende Veranstaltung mit Ihnen.

Ablaufplan:

19:00 Begrüßung durch Andreas Berger (mdr), Moderator der Veranstaltung

1. Runde: kulturelle Infrastruktur
Impulse
Manfred Wiemer, Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz und
Magnus Hecht, Netzwerk Kultur Dresden

Diskussion im Fishbowl – Format mit Kurzstatements der Vertreter*innen der Stadtratsfraktionen als Einstieg

20:15 Pause

20:30 2. Runde: Kultur Gesellschaft
Impulse
Holk Freytag, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste und Csaba Nemes, Künstler, Budapest

Podium

- Annekatrin Klepsch, Beigeordnete für Kultur und Tourismus

- Josefine Wosahlo, Tanznetz Dresden

- Susan Donath, Künstlerin

- Uwe Kolbe, Schriftsteller, Stadtschreiber 2017

- Thabet Azzawi, Musiker, Student

- Olaf Katzer, Künstlerische Leitung AuditivVokal Dresden

- André Schallenberg, Programmleitung Tanz/ Theater EZK Hellerau


Abschließend: Statement der Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen zum Diskutierten


In Kooperation mit: Sächsische Akademie der Künste


Kultur Stadt Dresden: Bleiben oder Gehen?
Dresden als Heimat Freier Szenen

Das war in der DDR der 1980er Jahre sicherlich eine der wichtigsten Fragen, die man einander oder auch sich selbst hier in den künstlerischen Szenen stellte: Bleibst du oder gehst du? Damals ging man nach Berlin (Ost oder West) oder in den Westen. Freiheit war ein wichtiger Grund.
Auch seit den 1990er Jahren haben viele Künstler*innen und Absolvent*innen die Stadt verlassen. Zu- und Abwanderungen sind in künstlerischen Szenen in gewissem Umfang normal. In Dresden wurde aber oft von einem kreativen Adlerlass gesprochen. Hat sich hier über die Jahre eine Infrastruktur entwickelt, die Künstler*innen unterschiedlicher Genres das Bleiben ermöglicht oder leichter macht? Wie steht es um die künftige Entwicklung der Potentiale Freier Szenen im Kontext der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025? Welche Ressourcen werden ihnen zur Verfügung stehen? Auch das sind angesichts der Diskussionen um den kommenden Doppelhaushalt hochaktuelle Fragestellungen.
Fragt man heute nach Gehen oder Bleiben, kommen noch ganz andere Aspekte hinzu. Glauben wir Umfragen, sind 30 bis 50% der sächsischen Bevölkerung für rechtsextreme Propaganda zumindest empfänglich. Was der Kultur widerfahren könnte, falls eine sehr rechts orientierte Politik kommende Wahlen gewinnen sollte, können wir international in zahlreichen Ländern studieren. In diesem Spektrum wird bereits jetzt darüber gesprochen, welche Kultur jenen genehm und welche es nicht sei.
Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen werden auch in Deutschland vor allem um Fragen der Kultur geführt. Sie schafft Identität und Abgrenzung, verbindet und trennt gleichermaßen. Nicht nur zwischen neu Ankommenden und bereits in Dresden Ansässigen, auch innerhalb der Ursprungsgesellschaft. Die Stichworte Heimat, Integration, Internationalität, der Umgang mit Sprache und Medien, mögen als Beispiele für Felder des konstruktiven Meinungsstreits dienen. Wo stehen die Dresdner freien Kulturszenen in diesen Konfrontationen? Die freie Kulturlandschaft hat ihren Ursprung auch im kulturellen DDR-Underground und der gesellschaftlichen Neuformierung. Sie trug und trägt dazu bei, den von vielen gefühlten Heimat- und Sinnverlust aufzufangen. Wollen wir 30 Jahre nach der Wende eine erneute Gängelung oder Schlimmeres in der Kultur? Wollen wir weiterhin eine FREIE Szene. Was kann besonders die freie Kultur beitragen, um Gespräche über unsere Demokratie, ihre Stärken und Schwächen in Gang zu bringen? Wird es nicht Zeit für einen neuen Kulturbegriff? Wer, wenn nicht die Kulturschaffenden, sollte an dessen Entwicklung maßgeblich arbeiten?
Bleiben wir hier und optimistisch! Warum sonst sollte sich Dresden als Kulturhauptstadt 2025 bewerben.