Gesprächssalon re_MARX III: DAS KAPITAL Seine "okkulte Qualität" - oder wie ein Cyborg die Welt beherrscht

Gespräch
Mittwoch, 14.11.2018, 20:00 – 22:00 Uhr
Motorenhalle - Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden
Eintritt frei (Spende willkommen)

Nehmen wir Karl Marx beim Wort, dann will sein Hauptwerk vor allem eins: darlegen, was Kapital ist. Er tut dies mit Hilfe einer bis heute ungewöhnlich anmutenden Methode: Er geht davon aus, dass die ökonomische Praxis, Geld zu investieren, um an Waren zu gelangen, die letztlich mehr Geld einbringen, einen falschen Schein über sich selbst erzeugt. Die Wirtschaftswissenschaften seiner Zeit würden das wahre Wesen von Kapital nicht erkennen, sondern seiner Ideologie aufsitzen. Für Marx wird Kapitalismus also nur dann erkannt, wenn dessen Ideologie durchbrochen wird.


Kapital, die sachliche Verwandlung von Geld in Ware und von Ware in Mehr-Geld, wird Marx zufolge zu einem „automatischen Subjekt“. Bei dieser Wortkreation war er sich wohl bewusst, dass es so etwas eigentlich gar nicht geben kann: einen Automat, der Subjekteigenschaften wie Freiheit, Geist und eigene Zwecke haben soll. Aber dieser Cyborg – diese Mischung aus Mensch und Maschine – verwandelt tatsächlich die echten Menschen zu Objekten, die blindlings seinen Zweck ausführen: sich selbst zu verwerten. Das Lebenselixier dieser außerirdisch anmutenden Lebensform besteht genau darin, aus Geld Mehr-Geld entstehen zu lassen.


Dabei ist diese Alien-Herrschaft ein irdisch-menschliches Produkt. Überall dort, wo Warentausch zur notwendigen Allgemeinheit und allgemeinen Notwendigkeit wird, entsteht eine gesellschaftliche Programmierung, bei der Menschen den selbst geschaffenen Sachzwang stets reproduzieren müssen, der dann so agiert, als wäre er der Gott dieses Programms. Und diejenigen, die ohne es zu merken sich diesen Schöpfer selbst geschaffen haben, werden zu dessen abhängigen Kreaturen.


Wir versuchen nachzuvollziehen, was Marx unter Kapital versteht und wie er virtuos Täuschungen von Wahrnehmung und Denken durchbricht. Dass er dabei selbst auch manchem falschen Schein unterlag, ist kein Wunder. Er hat sein Werk nicht vollenden können und war selbst Kind seiner Zeit. Wir werden es insofern wagen, einen ideologiekritischen Blick auf Marx selbst zu werfen. Dies mit dem Wissen, wie sich der Kapitalismus bis heute weiter entwickelt hat, und mit Hilfe neuer Erkenntnisse – insbesondere was die Rolle des Geldes betrifft.

mit Daniel Butscher, Philosoph und Sozialpsychologe, arbeitet als Unternehmensberater in Dresden