Lesung, Film & Gespräch: Die Kunst des (erfolgreichen) Scheiterns, zu Gast: Jens Thiel

Lesung, Film & Gespräch: Die Kunst des (erfolgreichen) Scheiterns, zu Gast: Jens Thiel

Mittwoch, 22.01.2020, 20:00 – 22:00 Uhr
Motorenhalle - Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden
Eintritt: 3/2 Euro

— 2003 macht der Schriftsteller Ingo Niermann die deutsche Öffentlichkeit mit einer ganz neuen Form von Erzählung und damit verbundenen Utopie-Entwürfen bekannt. In seinem Buch „Minusvisionen“ lässt er 14 Entrepreneure/Gründer - einige davon noch in der DDR zu neuen Ufern aufgebrochen - vom Scheitern ihrer unternehmerischen Träume berichten.

Dabei zelebrieren und wenden sie das „Fuck Up“ ihrer Geschichte in Richtung Großes Story-Telling. Und die schillernde Botschaft dieser neuen Generation von (NewEconomy)-Pionieren steckt an. So kommt es, dass Jens Thiel (einer der porträtierten Unternehmer in „Minusvisionen“), Ingo Niermann, Christian Kracht und andere bald gemeinsam einen irrwitzig erscheinenden Plan schmieden.

Im Zuge der Erkundung von Do-it-Yourself-Utopien fürs „Umbauland“  Deutschland (2006) entsteht die Idee, die größte Pyramide der Welt in Deutschland zu bauen. Dort, wo es gerade totenstill zu werden droht,. Mitten im Brachland von Sachsen-Anhalt soll sie als monumentalster Begräbnisplatz der Welt Menschen aller Religionen anlocken. Und nebenbei der Region wieder Leben einhauchen. Tod als  Um/Weg zu neuen Ufern. Es funktioniert – fürs erste.

Internationale Medien berichten. Der Architekt Rem Koolhaas schaltet sich ein. Und die Bundeskulturstiftung legt 89.000 Euro als Startfinanzierung obendrauf.

Woran es am Ende dennoch gescheitert ist, darüber wird Jens Thiel im Gespräch Auskunft geben. Und darüber hinaus diese Ära der 90er und Nuller Jahre Revue passieren lassen, in der er und andere Künstler-Unternehmer mit neuen Ideen für Aufregung und Aufbruchstimmung sorgten.

Zur Person: Jens Thiel (Jg. 1970) Mit 16 Jahren bereits entwirft und verkauft er in der DDR Halogenniedervolt-Lichtsysteme. 1990 dann macht er seine ersten reichlich Gewinn bringenden Wirtschaftserfahrungen im DM-Mark-Geldtausch-Geschäft. Danach Abitur und Studium in Giessen, London und Kazan. Statt bei einer großen strategischen Beratungsfirma zu unterschreiben, gründet er im Anschluss Jens & Friends – Sandwich & Coffee Bars AG - zu einer Zeit als es Starbucks noch nicht einmal bis London geschafft und niemand in Berlin Kaffee aus Pappbechern trinkt. Nach drei Jahren ist Schluss, das Geld verbrannt. Doch der Weg ist nun vorgezeichnet: „Was mich interessierte, war immer das Neue. Was es schon gab oder was ich schon gemacht hatte, war ja schon da. Was war noch offen in diesem Horizont?“