Gesprächssalon re_MARX II: Wer nimmt sich Macht? Zwischen emanzipatorischen Bewegungen und Totalitarismus

Gespräch
Mittwoch, 17.10.2018, 20:00 – 22:00 Uhr
Motorenhalle - Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden
Eintritt frei (Spende willkommen)

Selbst wo Marx als Analytiker des Kapitalismus heute neue Anerkennung findet, gilt er doch als historisch widerlegt, wenn es um seine Rolle als Vordenker des Wegs in eine ‚befreite Gesellschaft‘ geht. Schließlich steht ‚Kommunismus‘ heute oft als Synonym für staatsozialistische Zwangskollektivierung, Personenkult, Willkürherrschaft, Überwachungsstaat, Zwangsarbeit.

Dabei war Marx selbst ein ausgesprochener Kritiker aller Führungsansprüche einer selbsternannten ‚revolutionären Avantgarde‘ und aller Versuche, eine befreite Gesellschaft auf der Basis und mit den Mitteln staatlichen Zwangs durchzusetzen. Die Ambivalenzen in Marx eigenem Verständnis der Bedingungen und möglichen Formen einer ‚revolutionären Umgestaltung‘ der Gesellschaft, die gravierenden konzeptionellen Diskrepanzen zu Lenin und zu realhistorischen Entwicklungen führen zu einer ganzen Reihe offener Fragen:

War der Staatssozialismus des 20. Jahrhunderts überhaupt eine echte Systemalternative? Hätte es im Gefolge der russischen ‚Oktoberrevolution‘ auch andere Entwicklungsmöglichkeiten als den Stalinismus gegeben? Wie und warum wurden damals und in weiteren staatssozialistischen Versuchen emanzipatorische Potenziale immer wieder unterdrückt, erstickt und niedergeschlagen?

Und vor allem: Was bedeutet dies angesichts heutiger globaler Krisenkonstellationen und autoritärer Verschiebungen? Wie müssen sich systemkritische Bewegungen und emanzipatorische Kämpfe in ihrer Theorie und Praxis von den gescheiterten Formen des Staatssozialismus unterscheiden? Und was kann die Auseinandersetzung mit einem Theoretiker des 19. Jahrhunderts noch bringen, um praktische ökologische, soziale und ökonomische Fragen des 21. Jahrhunderts anzugehen?   

Gemeinsam mit Dr. Tino Heim (Soziologe) diskutieren wir diese und andere Fragestellungen und auch Marx selbst wollen wir an diesem Abend in einem dialogisch angelegten Gesprächsformat näher kommen.