Razzo Campanelli liest aus seinem Roman "Liebeslicht in der Metro" und im Anschluss Acid-Jazz mit DJ Spock

Razzo Campanelli liest aus seinem Roman "Liebeslicht in der Metro" und im Anschluss Acid-Jazz mit DJ Spock

Lesung, Konzert
Samstag, 15.10.2011, 20:00 – 22:00 Uhr
Motorenhalle - Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden
Dozent:
Razzo Campanelli

Die toxische U-Bahn...Sexuelle Fantasien, das Verlangen nach wahrer Liebe im Jetzt und in der Zukunft allmächtiger Sozialer Netzwerke

Soziale Netzwerke saugen unsere Daten auf, so dass individuelle, zugeschnittene Werbung auf uns einströmen kann. Das ist jedem klar, der sich in diesen virtuellen Räumen bewegt. Nachrichten und Informationen erreichen uns großteils nur noch über Empfehlungen, indem unsere "Freunde" und deren "Freunde" ein "gefällt mir" klicken. Die Lesewahrscheinlichkeit steigt. Entsteht dahinter eine Art kollektive Denkform? Kann es zukünftig zu einem Kollektiv kommen, welches Entscheidungen trifft und Aufgaben verteilen kann, wie es Razzo Campanelli in seinem Roman "Liebeslicht in der Metro" beschreibt? Dort lenkt das Kollektiv die Individuen, die sich ihrer einzelnen Position entledigen können oder müssen, willentlich oder auch nicht. Ob das Kollektiv einen Masterplan hat, ist irrelevant. Denn es handelt sich um das Kollektiv und das weiß, was es macht. Das Kollektiv ist ein Programm und gibt Sicherheit. Aber schwindet diese Sicherheit, wenn es um Gefühle geht oder nicht? Diese fiktionale Situation verlinkt Campanelli in versatzhaftem Stil mit unserer Gegenwart, die am Beginn einer möglichen Allmacht sozialer Netzwerke steht. Seine fiktive Person ist Lusso Pugliese, der hier getrieben von Drogen und sexuellen Fantasien durch europäische Großstädte wandelt, die ein Sammelbecken von allem sind. Der Einzelne schwimmt hier bereits mit im großen Strom, der einiges an menschlichen Müll mitnimmt. Müll von dem sich Pugliese über Gewaltfantasien radikal abgrenzt. Seine eigene eigentlich erbärmliche Existenz versucht er hingegen durch Fantasien eigener sexueller Größe zudem aufzuwerten. An seinen Aufenthaltsorten ist er bereits vernetzt und damit rücken diese an den Rand der Relevanz, auch wenn klar ist, dass der Kaffee wohl nur in Neapel am besten schmecken kann.
Kurator:
Denise Ackermann
Zielgruppe:
Alle
Veranstaltungssprache:
deutsch, englisch