Nummer: MH 907
SALON Mit der Kunst aufräumen?
Manchmal muss aufgeräumt werden, bevor etwas Neues beginnen kann. Aber was kann Kunst eigentlich bewirken? Oder ist sie ein Privileg, das abgeschafft gehört? Etwas, das vor allem in Museen, Galerien, Biennalen und auf Kunstmessen stattfindet? Oder kann sie tatsächlich etwas in Bewegung setzen, klären, voranbringen: im Zusammenleben, in der Welt, in der Stadt, im Stadtteil, auf dem Land?
Zusammen mit der REINIGUNGSGESELLSCHAFT sprechen wir über Kunst, die nicht nur Bilder und Objekte produziert, sondern gesellschaftliche Wirklichkeit mitgestalten will. Joseph Beuys hat dafür den Begriff der SOZIALEN PLASTIK geprägt. Die REINIGUNGSGESELLSCHAFT spricht in dieser Tradition von Handlungskunst. Gemeint sind Eingriffe in reale Situationen, kollektive Prozesse und Experimente im gemeinschaftlichen Raum, die erproben, was sein könnte. Dafür notwendig sind Zeit und die Bereitschaft, etwas zu riskieren. Künstler:innen sind hier nicht nur Produzent:innen, sondern Mitforschende mit anderen, die Prozesse mitgestalten.
Doch ist dies tatsächlich ein Gegenentwurf zur autonomen Kunst? Oder entspricht es dem steten Kunst-Modus, sich selbst zu erneuern? Gemeinsam mit dem Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich diskutieren wir, für welche Öffentlichkeiten Künstler:innen heute arbeiten? Wie verhalten sie sich zu den Strukturen und Machtverhältnissen des Kunstfeldes? Was wird aus dem Anspruch gesellschaftlicher Wirksamkeit, wenn Algorithmen kuratieren und Künstliche Intelligenz produziert? Ein Abend, an dem wir auch dies erproben wollen.
REINIGUNGSGESELLSCHAFT Seit 1996 steht die RG für eine künstlerische Praxis im Sinne der Handlungskunst. Die beiden damaligen Studenten Henrik Mayer & Martin Keil der HfBK Dresden bei Eberhard Bosslet richteten ihre ersten Atelierräume in der Jordanstraße in der Dresdner Neustadt ein – in einer ehemaligen Wohngebietswäscherei, deren frühere Nutzung den Namen des Kollektivs mitprägte. 1998 schlossen sie ihr Diplom ab und waren bis 2000 gemeinsam Meisterschüler bei Lutz Dammbeck.
Seither gestalten sie gesellschaftliche Prozesse aktiv mit und bewegen sich zwischen Kunst, Aktivismus, Stadtentwicklung, Bildungsarbeit und performativer Forschung. Ihr Arbeitsansatz ist kontextbezogen, interdisziplinär, prozessorientiert und häufig in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Partner:innen.
Wolfgang Ullrich Studium der Philosophie, Kunstgeschichte, Logik/Wissenschaftstheorie und Germanistik in München. Von 2006 bis 2015 Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Seither freiberuflich tätig in Leipzig als Autor, Kulturwissenschaftler und Berater. Seit 2019 zusammen mit Annekathrin Kohout Herausgeber der Buchreihe „Digitale Bildkulturen“ im Verlag Klaus Wagenbach. Seit 2025 einer der Sprecher der Klasse bildende Kunst der Sächsischen Akademie der Künste.
Künstler:
REINIGUNGSGESELLSCHAFT









